Radiotipp: „Fremd im eigenen Körper. Transidentität und wissenschaftlicher Fortschritt.“ (bis 26. Juli 2016 – Ö1)

„Mann muss sich heute nicht mehr als Mann oder Frau definieren“, sagt Ulrike Kaufmann – Leiterin der Transgenderambulanz der Medizinischen Universität Wien im AKH.

Es gibt Menschen, die kommen als Michaela zur Welt, sind aber ein Michael. Ein Irrtum der Natur, den Transsexuelle oft schon früh in der Kindheit spüren. Je mehr sich der Körper entwickelt, desto größer wird die Diskrepanz zwischen äußerem Erscheinungsbild und dem eigenen Empfinden. Die Suche nach der geschlechtlichen Identität und dem zugehörigen Körper wird oft von Depressionen und Angst begleitet. Die Rate der Selbstmordversuche unter Transsexuellen ist hoch – sie liegt bei 50 Prozent.
„Es geht um eine psychische und soziale Verbesserung der Lebenssituation dieser Menschen“, Johannes Wahala, Psycho- und Sexualtherapeut und Leiter der Beratungsstelle „Courage“.
Sich für oder gegen eine körperliche Angleichung zu entscheiden, kann sehr belastend sein. Seit der ersten geschlechtsangleichenden Operation 1931 haben sich die chirurgischen Möglichkeiten enorm verbessert. Aber immer noch sind die Eingriffe, bei denen eine Neovagina oder ein Neopenis geformt wird, mit Risiken verbunden. Gleiches gilt für die Einnahme von Hormonen, bei der die Dosierung und die möglichen Nebenwirkungen genau überwacht werden müssen.
Brigitte Hackenberg, Kinder- und Jugendpsychiaterin.
Erfahrungen damit hat man in der Transsexuellen-Ambulanz des Wiener AKH, wo ca. 400 Menschen mit einer Transidentität betreut werden. Ihre medizinische Behandlung wird von zahlreichen Forschungsprojekten begleitet.

Gestaltung: Marlene Nowotny

„Dimensionen – die Welt der Wissenschaft“, 12. Juli 2016, 19:05

nachzuhören bis Dienstag, 26. Juli 2016 – 19:00 auf Ö1 – ORF („7tage Ö1“):

http://oe1.orf.at/programm/442892