Aktuelles

Offener Brief zum 3. Geschlechtseintrag vom 2. Juni 2020

Sehr geehrter Bundesminister Karl Nehammer, sehr geehrte Mitarbeiter*innen des BMI,

im Juni 2018 wurde vom Verfassungsgerichtshof anerkannt, dass es einen dritten Geschlechtseintrag für jene Menschen geben soll, die sich nicht als Mann oder Frau identifizieren. Im Dezember 2018 wurde daraufhin ein Erlass ausgegeben, in dem das Vorgehen bei derartigen Personenstandsänderungen geregelt ist. Dieser Erlass ist jedoch äußert restriktiv gestaltet, was dazu führt, dass tatsächlich bereits viele Menschen in den Standesämtern abgewiesen wurden. Anspruch auf die dritte Option haben demnach aktuell nur jene Personen, die mit medizinischen Gutachten eine Variante der Geschlechtsentwicklung (VdG) belegen können – obwohl der VfGH im Juni 2018 klargestellt hat, dass Menschen nur „jene Geschlechtszuschreibungen durch staatliche Regelung akzeptieren müssen, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechen.“ Im Februar 2020 gab es überdies eine weitere Entscheidung des LVwG OÖ, die den Erlass als nicht bindend sowie den Eintrag „inter“ für Alex Jürgen bestätigt, zusätzlich zur Option „divers“. Laut dem aktuellen Regierungsprogramm gibt es einen Konsens darüber, dass die entsprechende VfGH-Erkenntnis (G-77/2018) umgesetzt – also eine neue Regelung getroffen werden soll. Ihre Beantwortung der parlamentarischen Anfrage der NEOS am 14. April erzeugte deshalb großen Unmut in der Community. Daher möchten wir als Vertreter*innen von [64] Organisationen, die sich gegen Diskriminierung aufgrund von Geschlechtsmerkmalen oder Geschlechtsidentität aussprechen, gemeinsam mit selbst betroffenen Personen unser Anliegen auch an dieser Stelle noch einmal klar artikulieren:

• Der dritte Geschlechtseintrag soll allen Menschen offenstehen, unabhängig ihrer individuellen körperlichen Geschlechtsmerkmale. Vom VfGH gab es diesbezüglich schon 2009 ein entsprechendes Erkenntnis, im Fall einer transgender Person, in dem klargestellt wurde, dass der Geschlechtseintrag die Geschlechtsidentität und nicht körperliche Merkmale repräsentiert.

• Neben den bisher möglichen Einträgen “weiblich”, “männlich”, “offen” und “divers” muss auch der Eintrag “inter” zur Verfügung stehen.

• Die Regelung bezüglich eines medizinischen Expert*innenboards (sog. VdG-Board) ist überflüssig und zu streichen – eine Änderung nach Selbstauskunft beim Standesamt muss ausreichen. Das VdG-Board war ursprünglich vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz bzw. der dortigen Arbeitsgruppe für Behandlungsempfehlungen bei VdG als Expertise-Netzwerk für Diagnostik, Beratung und Behandlungsentscheidungen angedacht. Dies sollte auch die Kompetenz des Boards bleiben – die beteiligten Mediziner*innen sollten dagegen nicht plötzlich eine zweckentfremdete Funktion für Personenstandsangelegenheiten ausüben. Darüber hinaus existiert dieses Board de facto nicht – der Erlass verweist auf bloße Kontaktdaten einer (unvollständigen) Liste von Versorgungsstrukturen, und eben nicht auf das sog. VdG-Board.

• Bürokratische Hürden zur Änderung des persönlichen Geschlechtseintrags müssen abgebaut werden. Gleichzeitig braucht es strenge Datenschutzmodalitäten für frühere Geschlechtseinträge.

• Der Geschlechtseintrag einer Person muss mehr als einmal gewechselt werden können. Dies soll nicht einem möglichen Missbrauch dienen, sondern der Tatsache Rechnung tragen, dass sich das Empfinden der Geschlechtsidentität im Laufe eines Lebens (Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter) verändern kann. Die psychische und physische Entwicklung eines jeden Menschen zeigt sich erst im Aufwachsen, kann unterschiedlich lange dauern und ist nicht vorhersehbar. Bis zur Entscheidung, einen Geschlechtseintrag berichtigen zu lassen, durchlaufen Betroffene in der Regel meist lange persönliche Prozesse. Betroffene Personen brauchen einen Eintrag, der ihrer Identität entspricht und nicht ihre Körperlichkeit medizinisch begutachtet und diagnostiziert.

Wir fordern einen selbstbestimmten dritten Geschlechtseintrag!

Die Unterzeichner*innen: HOSI Salzburg VIMÖ Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich Plattform Intersex Österreich achtung°liebe – Austrian Medical Students´ Association Afro Rainbow Austria AGPRO – Austrian Gay Professionals Aids Hilfe Wien Aidshilfe Salzburg AIDS-Hilfe Steiermark AIDS-Hilfe Tirol AIDS-Hilfe Vorarlberg Akademie für sexuelle Bildung, Südtirol/Tirol Aktion kritischer Schüler_innen Kärnten Koroška Aktion kritischer Schüler_innen Oberösterreich Aktion kritischer Schüler_innen Salzburg Beratungsstelle COURAGE BVG – Bundesvereinigung für Gendergerechtigkeit Fachstelle .hautnah., Graz Fachstelle für Suchtprävention NÖ – Abteilung Sexualpädagogik Fachstelle Selbstbewusst – Sexuelle Bildung & Prävention von sexuellem Missbrauch Fachstelle Selbstlaut – gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen FAmOs Regenbogenfamilien Frauengesundheitszentrum, Graz FS1 – Freies Fernsehen Salzburg Gender Galaxie – von und für nicht-binäre Geschlechtsidentitäten Grüne Andersrum Salzburg Hil-Foundation HOSI Linz HOSI Wien HOSI-Tirol, Verein CSD-Innsbruck in:team, Sexuelle Bildung & Sexualberatung Kulturverein “Planet 10” Lil* – Zentrum für Sexuelle Bildung, Kommunikations- und Gesundheitsförderung Mädchensprechzimmer, Graz NaGeH – mein Name, mein Geschlecht, meine Hochschule NEOS – Das Neue Österreich plan:g – Partnerschaft für globale Gesundheit PLUS – Plattform Unabhängiger Studierender an der Universität Klagenfurt Pride Biz Austria – Verband zur Förderung der Inklusion von sexueller Vielfalt in Wirtschaft und Arbeitswelt QBW – Queer Business Women Queer Klagenfurt/Celovec queer@hochschulen Queer_Referat der Österreichischen Hochschüler_innenschaft Bundesvertretung Queerconnexion QueerOÖ “Wir miteinander” Radiofabrik Salzburg RosaLila PantherInnen – schwul lesbische ARGE Stmk samara – Verein zur Prävention von (sexualisierter) Gewalt Sexualberatung und Sexualpädagogik Kärnten SoHo Österreich – die sozialdemokratische LGBTIQ-Organisation Solidarisches Salzburg SPÖ-Frauen SPÖ-Parlamentsklub Stop AIDS – Verein zur Förderung von sicherem Sex Trans-Austria TransX – Verein für TransGender-Personen Türkis Rosa Lila Tipp -LGBTQIA*+ Beratung & Bestärkung in der Türkis Rosa Lila Villa Verein Amazone Verein für Barrierefreiheit in der Kunst, im Alltag, im Denken Verein Hazissa – Fachstelle zur Prävention von sexualisierter Gewalt Verein Leicht Lesen – Texte besser verstehen Verein PIA – Prävention, Beratung und Therapie bei sexueller Gewalt, OÖ/Linz Verein Senia, Enthinderung der Sexualität, Linz visiBi*lity Austria ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit

Neuer Psychotherapie-Zuschuss SVS (Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen)

die SVS (Selbständig Erwerbstätige, Gewerbetreibende, Neue Selbstständige und Landwirt*innen) hat in ihrer Satzung den Psychotherapiezuschuss neu geregelt: Ab 1. 4. 2020 einheitlich 40 Euro. Der Zuschuss von 21,80 € wurde auf 40 € erhöht. SVB-Versicherte (Landwirt*innen), die eine Psychotherapie vor dem 1. 4. 2020 begonnen haben, bekommen den „alten Zuschuss“ von 50 Euro bis Ende 2021.   Die Tarife für die Psychotherapie sind im § 49 Abs. 2, die Übergangsregelung für die vormals SVB-Versicherten in § 72 Abs. 3 geregelt.Übergangsregelung für die vormals SVB-Versicherten in § 72 Abs. 3 geregelt.

16. November 2019, Salzburg: Queer Topics

Vorstellung von aktuellen akademischen Arbeiten zum Thema Intergeschlechtlichkeit. Präsentiert werden die Arbeiten von Chrisu Ortner (Soziale Arbeit) und Katharina Litschauer (Medizin), anschließend Publikumsgespräch mit Vertreter*innen von VIMÖ.
Eine Kooperation von VIMÖ, HOSI Salzburg und Frauenbüro Salzburg – mehr Infos bald auf deren Homepages.
ab 19.00, im Pegasuszimmer des Schloss Mirabell, Mirabellplatz 4, 5024 Salzburg

17. November 2019, Salzburg: Geheimes Frühstück für Inter* und Angehörige
unser traditioneller Brunch exklusiv für Inter* und Angehörige.
Mehr Infos bei Anmeldung unterinfo@vimoe.at!

Question & Answer: Zur dritten Option beim Geschlechtseintrag

WAS IST DIE DRITTE OPTION UND SEIT WANN GIBT ES SIE?

 

Die Eintragung des Geschlechts ist im Personenstandsgesetz 2013 geregelt. Bisher wurden Menschen im Personenstandsregister entweder als „männlich“ oder „weiblich“ eingetragen. Seit 2019 ist in Österreich der Geschlechtseintrag „divers“ als dritte Option neben „männlich“ und „weiblich“ möglich. Alex Jürgen hat sich diese dritte Option vor Gericht erkämpft und ist die erste Person mit einer Geburtsurkunde mit dem Geschlechtseintrag „divers“ und einem „x“ im Reisepass.

Einen „dritte Option“ gibt es mittlerweile in zahlreichen Ländern. In Australien, Bangladesch, Dänemark, Deutschland Indien, Malta, Nepal, Neuseeland, Portugal und einigen Bundesstaaten der USA gibt es eine dritte Kategorie wie „non-specified“ im Personenstand bzw. ein „x“ im Pass.

 

WARUM HABEN MANCHE MENSCHEN EIN „X“ IM REISEPASS?

 

Die Eintragung im Reisepass wird von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) geregelt. Diese sieht neben „f“ für female/weiblich, „m“ für male/männlich auch „x“ für non-specified/unbestimmt vor.

 

WER HAT DIE DRITTE OPTION IN ÖSTERREICH ERKÄMPFT?

 

Alex Jürgen erkämpfte die dritte Option gemeinsam mit dem Anwalt Helmut Graupner vom Rechtskomitee Lambda (RKL) im gerichtlichen Instanzenzug. Der österreichische Verfassungsgerichtshof (VfGH) entschied am 15. Juni 2018 (G 77/2018), dass intergeschlechtliche Menschen ein Recht auf adäquate Bezeichnung im Personenstandsregister haben. Das heißt, sie haben das Recht, dass ihre Geschlechtsidentität auch im Personenstand zum Ausdruck kommt und die Republik Österreich muss eine weitere Personenstandskategorie neben „männlich“ und „weiblich“ zulassen. Alternativ hat der VfGH der Republik Österreich die Möglichkeit eingeräumt den Geschlechtseintrag ganz aus offiziellen Dokumenten zu streichen.

 

WAS HAT DAS MIT MENSCHENRECHTEN ZU TUN?

 

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) bezog sich in seiner Entscheidung auf den Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK). Dieser schützt das Privat- und Familienleben. Zum Privatleben zählt die menschliche Identität, Individualität und Integrität und damit auch die Geschlechtsidentität.

Intergeschlechtliche Menschen sind weltweit Menschrechtsverletzungen ausgesetzt. Die wichtigste Forderung von Selbstvertretungsorganisationen weltweit ist der sofortige Stopp von Intersex Genital Mutilation (IGM) und der Schutz der körperlichen Integrität von intergeschlechtlichen Menschen.
(Siehe  „Was ist IGM?“)

 

WER DARF DEN GESCHLECHTSEINTRAG AUF „DIVERS“ ÄNDERN? WAS IST FÜR DIE ÄNDERUNG EINES GESCHLECHTSEINTRAGS NOTWENDIG?

 

Laut des Erkenntnisses des Verwaltungsgerichtshofs von Dezember 2018 (Ro 2018/01/0015) können intergeschlechtliche Menschen („Personen mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung“) beim zuständigen Standesamt einen Antrag auf Berichtigung ihres Geschlechtseintrags stellen. Laut des Erlasses des Innenministeriums von Dezember 2018 muss das Vorliegen einer Variante der Geschlechtsentwicklung („VdG“) weiters durch ein medizinisches Gutachten eines VdG-Boards festgestellt werden.

 

WAS FORDERN SELBSTVERTRETUNGSORGANISATIONEN?

 

Der Verein intergeschlechtlicher Menschen Österreich (VIMÖ) nennt fünf zentrale Forderungen für die Umsetzung der dritten Option:

  1. Der Geschlechtseintrag soll die individuelle Geschlechtsidentität ausdrücken.
  2. Die Eintragung des dritten Geschlechtseintrags darf nur selbstbestimmt erfolgen!
  3. Der dritte Geschlechtseintrag muss unabhängig von medizinischen Diagnosen oder körperlichen Geschlechtsmerkmalen sein!
  4. Bürokratische Hürden zur Änderung des persönlichen Geschlechtseintrags müssen abgebaut werden.
  5. Der Geschlechtseintrag soll mehrmals gewechselt werden können.

Eine ausführliche Stellungnahme ist hier zu finden: www.vimoe.at

 

WOLLEN ALLE INTER* PERSONEN EINEN 3. PERSONENSTAND FÜR SICH?

 

Nein. Tatsächlich leben viele intergeschlechtliche Menschen als Männer oder Frauen und haben eine männliche oder weibliche Geschlechtsidentität. Es gibt aber auch intergeschlechtliche Menschen, deren Geschlechtsidentität intergeschlechtlich, inter*, trans*, nicht-binär oder eine andere Geschlechtsidentität ist. Ihre Geschlechtsidentität sollte gemäß der VfGH-Entscheidung im Personenstand zum Ausdruck kommen.

 

WEN BETRIFFT DER DRITTE PERSONENSTAND NOCH?

 

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat festgehalten, dass der Personenstand die individuelle Geschlechtsidentität ausdrücken soll. Zusätzliche Optionen im Personenstand neben „männlich“ und „weiblich“ können nicht-intergeschlechtliche Menschen betreffen, deren Geschlechtsidentität nicht männlich und weiblich ist. Das können zum Beispiel transidente, nicht-binäre oder genderqueere Menschen sein.

 

WAS IST IGM?

 

IGM steht für „Intersex Genital Mutilation“ und ist eine medizinische Praxis, die international als Menschenrechtsverletzung kritisiert wird.

 

WIE WERDEN INTER*S IN DER MEDIZIN HEUTE BEHANDELT?

 

Es kommt sehr darauf an, in welchem Alter Menschen damit konfrontiert werden und unter welche Diagnose sie bei Ärzt*innen fallen. Je nachdem wird den Eltern oder den Jugendlichen aber von Mediziner*innenseite geraten, sich für eines der beiden anerkannten Geschlechter zu entscheiden. Die Option, einfach so zu bleiben wie mensch ist, wird meist nicht angeboten.

Stattdessen werden die Möglichkeiten aufgezeigt, den intergeschlechtlichen Körper chirurgisch und hormonell zu verändern: Gonaden entfernen, eine „zu große Klitoris“ verkleinern bzw. einen „zu kleinen Penis“ vergrößern, die Harnröhre verlegen, eine künstliche Vagina angelegen, Pubertätshemmer verabreichen, weibliche oder männliche Hormone geben. Keimdrüsen zu entfernen bedeutet in jedem Fall, dass der*die Betroffene ein Leben lang auf Hormonersatztherapie angewiesen ist und fortpflanzungsunfähig ist. Geschlechtszuweisende Eingriffe richten oft großen Schaden an wie z.B. Sensibilitätsstörungen.

Viele Betroffene berichten von frühen, traumatisierenden Eingriffen und Behandlungen und haben oft Probleme mit dem verordneten Geschlecht, weil dieses als aufgezwungen erlebt wird.

 

WERDEN DIESE BEHANDLUNGEN IN ÖSTERREICH UND DEUTSCHLAND IMMER NOCH DURCHGEFÜHRT?

 

Ja. Noch immer wenden sich Eltern von intergeschlechtlichen Kindern an Selbsthilfegruppen und berichten, dass sie vor medizinischen Eingriffen an ihren Kindern nicht umfassend über die Folgen informiert wurden. Noch immer wenden sich intergeschlechtlichen Menschen an Selbsthilfegruppen, die geschlechtsverändernde medizinische Eingriffe an ihren Körpern überlebt haben, zu denen sie selbst nicht zugestimmt haben – oder altersbedingt nicht zustimmen konnten – und die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Die Europäische Grundrechteagentur hält in einem Fokuspapier fest, dass geschlechtsnormierende Operationen an intergeschlechtlichen Kindern in über 21 EU-Staaten durchgeführt werden. Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt, dass diese Eingriffe auch in den letzten Jahren nicht abgenommen haben.

 

Erstellt von: HOSI Salzburg, Plattform Intersex Österreich, Verein intergeschlechtlicher Menschen Österreich (VIMÖ), 14.5.2019

Jubel mit Alex Jürgen – erste Urkunden mit drittem Geschlechtseintrag

Alex Jürgen ist die erste Person, die sich rechtlich den Geschlechtseintrag „divers“ bzw. „X“ erkämpft hat. Heute ist es soweit: Alex Jürgen erhält Geburtsurkunde und Reisepass.

2016 hat Alex Jürgen die Eintragung eines dritten Geschlechtseintrags am Standesamt beantragt. Drei Jahre später ist es soweit: Mit den neuen persönlichen Dokumenten gibt es endlich auch eine auch eine rechtliche Anerkennung der Existenz intergeschlechtlicher Menschen in Österreich.

„Wir sagen Danke und gratulieren unserem mutigen Vorbild und Mitstreitenden von Herzen!“, so Tinou Ponzer von VIMÖ. „Wir freuen uns sehr mit Alex Jürgen, der mit seinem Anwalt Dr. Graupner den österreichischen Personenstand revolutioniert hat“, so Gabriele Rothuber, Intersex-Beauftragte der HOSI Salzburg.

Auch Eva Matt von der Plattform Intersex Österreich freut sich über den Erfolg: „Endlich ist die wegweisende Entscheidung des VfGH vom Juni 2018 in der Verwaltung angekommen! Alex Jürgen ist nach seinem langen Kampf die erste Person in Österreich, die ein „X“ im Pass und eine nicht auf männlich oder weiblich, sondern auf divers lautende Eintragung in der Geburtsurkunde hat. Wir gratulieren herzlich!“

Rückfragen & Kontakt:

Tobias Humer (VIMÖ), +43 732 28 700 210, tobias.humer@vimoe.at
www.vimoe.at

Der Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich wird fünf Jahre alt!

„Wir fragen uns, was wir bisher erreicht haben, welche Herausforderungen uns noch bevorstehen, und wie es weitergeht. Und wir blicken zurück auf eine Zeit voller großartiger Menschen und Organisationen, mit denen wir gemeinsame Sache gemacht und die sich für uns eingesetzt haben, die uns als Redner*innen eingeladen haben oder uns auf andere, vielfältige Weise unterstützt haben. Gemeinsam haben wir schon viel erreicht – von Sichtbarkeit und Dialog bis hin zu rechtlichen Veränderungen wie dem dritten Geschlechtseintrag.
Wir möchten uns hiermit herzlich für Ihr/euer Engagement bedanken und einladen, unser Jubiläum mit uns zu feiern – in Oberösterreich, wo alles angefangen hat“:
23. Februar 2019
ab 18.30 im Central, Landstraße 36, 4020 Linz
Programm:
    • Filmscreening „Entre Deux Sexes“ (FR 2017, OmdU, Regie: Regine Abadia)
    • Torte & Worte – Festreden von:
        • Dr. Günther Kräuter, Volksanwalt
        • Mag. Dr. Ewa Dziedzic, Bundesrätin (Grüne)
        • Stephanie Cox BA, Abgeordnete zum Nationalrat (Jetzt) -tbc
        • Gabriele Rothuber, Gründungsmitglied Plattform Intersex
        • Tobias Humer, VIMÖ-Obmensch
  • Janosch (DJ)
Die Festreden werden in ÖGS gedolmetscht.
Anmeldungen erbeten unter www.gfk-ooe.at
 
Eintritt: freiwillige Spende
Eine Kooperation von VIMÖ und GfK OÖ

Beratungsstelle COURAGE jetzt auch in Linz

COURAGE steht in den Themenbereichen

  • Sexualitäten/Beziehungen
  • Gleichgeschlechtliche Lebensweisen
  • Trans*gender/Trans*Identitäten
  • Inter*geschlechtlichkeiten
  • Regenbogenfamilien
  • Gewalt/sexualisierte Übergriffe

allen Rat- und Hilfesuchenden zur Verfügung.

Das Angebot ist kostenlos, professionell und anonym.

Terminvereinbarung unter:

Telefon: +43 699 166 166 67

Email: linz@courage-beratung.at

Sieg für Alex Jürgen*: Intersex-Aktivist erkämpft dritte Option (Aussendung 29.6.2018, Plattform Intersex)

VfGH entscheidet: Nach einer Klage der intergeschlechtlichen Person Alex Jürgen* muss Österreich neben „männlich“ und „weiblich“ einen dritten Geschlechtseintrag schaffen. 

Der Verfassungsgerichtshof gab heute bekannt, dass neben „weiblich“ und „männlich“ ein weiterer Geschlechtseintrag in persönlichen Dokumenten ermöglicht werden muss. Ein voller Erfolg für Alex Jürgen* und ein Sturm der Freude bei allen Menschen, denen mit diesem Entscheid endlich zu mehr Anerkennung, Sichtbarkeit und ihren Rechten verholfen wird! „Heute habe ich zum ersten Mal im Leben das Gefühl, als das anerkannt zu sein, was ich bin. So wie ich geboren wurde“, so Alex Jürgen* in einer ersten Reaktion.

Die Menschenrechtsinitiativen VIMÖPlattform Intersex Österreich und HOSI Salzburg gratulieren zu diesem Erfolg und nehmen sie mit freudiger Zuversicht auf. „Endlich kann niemand mehr verleugnen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Vielfalt ist die Norm und die Existenz von geschlechtlicher Vielfalt darf nicht länger problematisiert und pathologisiert werden! Dank dem Mut von Alex Jürgen*, einen richtigen Eintrag einzufordern, muss sich das gesamte Rechtssystem mit der Frage der rechtlichen Gleichstellung und dem Schutz aller Geschlechter auseinandersetzen“, so Tinou Ponzer von VIMÖ.

„Das Wichtigste ist, dass nun eine Option geschaffen wird, die keine Zwangsoption ist, sondern auf Freiwilligkeit und Selbstbestimmung beruht“, betonen Tobias Humer Obmensch von VIMÖ und Luan Pertl Obmensch von VIMÖ Zweigverein Wien. „Bürokratische Hürden zur Änderung des persönlichen Geschlechtseintrags, sei es in der Geburtsurkunde oder in anderen Identitäts-Dokumenten wie dem Reisepass, müssen abgebaut werden. In der Umsetzung des dritten Personenstands wünschen wir uns eine Option wie ‚Inter/Divers‘, welche keinesfalls auf medizinischen Diagnosen beruhen darf. Wir fordern Selbstbestimmung statt Pathologisierung!“

Österreich folgt deutschem Bundesverfassungsgericht

Bereits im November 2017 entschied das deutsche Bundesverfassungsgericht positiv über die Schaffung einer dritten Option beim Geschlechtseintrag. Mit der heutigen Entscheidung zieht Österreich nach.

„Der VfGH hat nun festgestellt, dass intergeschlechtliche Menschen das Recht auf eine ihrer Geschlechtsidentität entsprechende Eintragung im Personenstandsregister und in offiziellen Dokumenten haben“,  erklärt Eva Matt, Juristin der Plattform Intersex Österreich, das heutige Urteil. „Endlich anerkennt auch der österreichische Verfassungsgerichtshof die rechtliche Existenz intergeschlechtlicher Menschen.“

Medizinische Eingriffe stoppen!

Die Hauptforderung von intergeschlechtlichen Menschen nach einem Ende von nicht-konsensuellen, geschlechtsverändernden Eingriffen seitens der Medizin bleibt jedoch bestehen – diese werden auch durch einen dritten Geschlechtseintrag nicht verhindert. „Wir sind einen Schritt weiter, aber lange noch nicht am Ziel“, so Alex Jürgen*. „Irreversible, genitalverändernde Operationen und Behandlungen an Inter* Kindern sind immer noch nicht verboten und es fehlt noch viel an Verständnis und Wissen in den Köpfen der Menschen.“

Gabriele Rothuber, Intersex-Beauftragte der HOSI Salzburg, weist ebenso darauf hin: „Auch 2018 findet immer noch Zwangs-Medikalisierung statt. Wir sprechen uns klar gegen fremdbestimmte geschlechtsnormierende Eingriffe an intergeschlechtlichen Körpern aus! Eine dritte Option wird der Thematik allerdings helfen aus der Tabuisierung zu treten und die Realität, die es schon immer gab, anzuerkennen.“

Sichtbarkeit im Bildungswesen

Laut Bildungswissenschaftlerin Martina Enzendorfer (Universität Wien) „ist die rechtliche Anerkennung auch ein wichtiger Anstoß für den Bildungsbereich. Dieser ist wesentlich an der Formung von Geschlechterverständnissen beteiligt und wirkt bislang an der Unsichtbarkeit intergeschlechtlicher Personen systematisch mit. Die rechtliche Anerkennung bietet eine wichtige Grundlage, dieser Marginalisierung entgegenzuwirken und Geschlecht in seiner Vielfalt wahrzunehmen.“

Ein riesengroßer Dank gebührt Helmut Graupner, dem Anwalt, der Alex Jürgen* in diesem Prozess begleitet und diesen Entscheid ermöglicht hat.

Rückfragehinweis
Luan Pertl (VIMÖ) +43 732 28 700 210, luan.pertl@vimoe.at
Eva Matt (Juristin der Plattform Intersex), +43 664 34 50 631, ematt@gmx.at

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